Netzgeflüster

Spione packen aus

Ein Informationsdienst boomt dank «open source intelligence»

Kriege sind ein gefundenes Fressen für die Medien. In einem Krieg läuft die Informationsmaschinerie auf Hochtouren, die Presse und vor allem das Fernsehen setzen alles daran, möglichst nah am Geschehen zu sein, möglichst spektakuläre Bilder und Eindrücke zu liefern. Im Golfkrieg, so geht ein zynischer Spruch, gab es keinen eindeutigen Verlierer, aber dafür einen klaren Gewinner: CNN. Der Nachrichtensender hatte nie so viele Zuschauer wie während der Operation Desert Storm von 1991. Dass man erst nachträglich erfuhr, wie massiv die Berichterstattung von der militärischen Zensur gesteuert wurde, ist eine andere Geschichte.

Im Krieg um Kosovo gab es keinen eindeutigen Verlierer. Und vom Gewinner hatten zuvor nur wenige gehört: Stratfor (die Abkürzung steht für «Strategic Forecasting») ist ein Unternehmen aus Austin, Texas, dessen Lagebeurteilungen während des Kosovokriegs erstaunlich schnell und präzise waren - und natürlich übers Web verbreitet wurden. Mit grossem Erfolg: Während des Kriegs verzeichnete die Site von Stratfor1 4 Millionen Pageviews (abgerufene Einzelseiten) pro Monat, die Abonnentenzahl des täglich per E-Mail verschickten Newsletters betrug 40 000.

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