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Hypertext ist nichts Neues
Natürlich gibt es Textsorten, bei denen ein Aufsplitten des Gesamttextes in kleine Einheiten mit anschließender
Vernetzung keinen Sinn macht. Einen Abenteuerroman etwa möchte man lieber von vorn bis hinten lesen, und eigentlich
auch gar nicht an einem heute üblichen Bildschirm. Aber bei jeder Art von Sachtext ist Hypertext eine sinnvolle
Alternative zum herkömmlichen Buchmedium. Denn Sachbücher enthalten eigentlich alles, was ein Hypertext auch
braucht: Kapitel, Abschnitte, Inhaltsverzeichnis, Stichwortverzeichnis, Querverweise. Das Problem ist nur,
daß niemand Lust hat, in einem Buch dauernd von einer Stelle zu einer ganz anderen zu springen, weil das Suchen
und Blättern dann so viel Energie in Anspruch nimmt, daß die Konzentration leidet. Der übliche Weg, ein solches
Buch zu lesen, bleibt daher das Lesen Seite für Seite. Anders bei den anklickbaren Verweisen eines Hypertextes:
hier können Sie, je nachdem, wie gut die Navigationsstrukturen sind, ebenfalls seitenweise durch die angebotenen
Informationseinheiten blättern. Gleichzeitig ist es jedoch viel einfacher, sich neu zu orientieren oder
Querverweisen zu folgen. Denn an die Stelle des Blätterns tritt reine Rechenzeit.
Hypertext und weltweite Vernetzung
Noch deutlicher werden die Unterschiede, wenn man ein Buch mit weltweitem Online-Hypertext
wie dem World Wide Web vergleicht. Viele Bücher enthalten Verzeichnisse mit weiterführender Literatur.
Wenn Sie sich für eines der anderen Bücher interessieren, müssen Sie das Buch kaufen gehen oder in eine
Bibliothek rennen und möglicherweise wochenlang auf eine Fernleihe warten. Beim Klick auf einen Verweis
kommen Sie sofort an die gewünschte Information, auch wenn diese auf einem Internet-Hostrechner liegt, der viele
tausend Kilometer weit von Ihnen entfernt ist. Sie bekommen die Information in dem Moment, wo Sie sich dafür
interessieren. Das ist ein &quoutintellektueller Mehrwert&quout, dessen Tragweite noch gar nicht recht erkannt worden ist.
Hypertext ist mehr als Text
Moderne Computer-Anwender wollen allerdings noch mehr als nur auf Hyperlinks klicken. Sie wollen auch keine ,
ellenlangen Texte lesen. Informationsdarstellung am Bildschirm muß auch noch andere Darstellungsformen bieten
als es in Büchern üblich ist. Anwender, die mit einem Computer in einem Informationsangebot navigieren, wollen
sich etwa Information individuell auf einer Seite zusammenstellen, um beispielsweise Angebote miteinander zu
vergleichen. Wenn etwas erklärt wird, wollen sie auf Wunsch eine grafische oder akustische Animation aufrufen,
die Zusammenhänge oder Vorgehensweisen demonstriert. Oder sie wollen einfach eine Runde spielen, sei es zur
Entspannung oder um &quoutspielend&quout etwas zu lernen. Es spricht nichts dagegen, auch solche Dinge unter dem Begriff
&quoutHypertext&quout zusammenzufassen. Insofern sind auch neuere Techniken wie Dynamisches HTML in Verbindung mit
Scriptsprachen waschechte Hypertext-Features.
Medienumbrüche tun weh
Medien haben viel mit Gewohnheit zu tun. An Bücher sind wir alle gewöhnt, von frühesten Kindertagen an sind
wir mit Bilderbüchern konfrontiert worden, in der Schule hatten wir Schulbücher. Deshalb reagiert die Mehrheit
der Menschen mit heftigem Widerstand, wenn man ihnen erzählen will, daß elektronischer und weltweit vernetzter
Hypertext in vielen Bereichen das Zeug hat, Bücher zu ersetzen.
Es hat wohl auch wenig Sinn, zu predigen - aus dem Predigerzeitalter sind wir nämlich auch raus. Wer sich für
das neue Medium, für Hypertext, begeistern kann, und wer Lust hat, in diesem Medium Information weiterzugeben,
sollte dies aber berücksichtigen: nur wenn die eigenen Hypertext-Projekte so gut, so praktisch sind, daß man
schon verbohrt sein muß, um sich ihnen zu verweigern - nur so kann sich Hypertext leichter durchsetzen. HTML
und seine Ergänzungssprachen sind das interessanteste Werkzeug, das wir derzeit für diese Zwecke haben.
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HTML
HTML, CSS und JavaScript
Am Anfang war HTML - und deshalb ist es zur Gewohnheit geworden, Web-Publishing im wesentlichen mit der
Beherrschung der HTML-Sprache gleichzusetzen.
Doch mittlerweile sind einfach viel zu viele Wünsche geäußert worden, die HTML nicht befriedigen kann.
Es stellte sich heraus, daß HTML eine wichtige Basis ist, aber keine Allround-Lösung. So ist beispielsweise
eine Überschrift 1. Ordnung in HTML schnell notiert, aber wie zum Teufel sagt man dem Browser, daß er die
Überschrift in einer anderen als der voreingestellten Schrift darstellen und bitteschön etwas mehr Abstand
zum Text davor lassen soll? Und warum kann man in HTML zwar eine Grafik einbinden, aber nicht bewirken, daß
diese sich optisch verändert, wenn der Anwender mit der Maus darüber fährt.
Nur logisch, nur statisch
Kleinigkeiten sind das, wenn Sie so wollen. Aber versuchen Sie es mal so zu sehen: HTML hat zwei
charakteristische Eigenschaften, die zugleich Defizite darstellen. HTML ist erstens eine logische Sprache und
keine Formatiersprache, und zweitens ist HTML eine statische Auszeichnungssprache und keine Programmiersprache,
in der man Abläufe oder Interaktionen mit dem Anwender programmieren kann. Mit HTML kann man Dokumentstrukturen,
also Elemente wie Überschriften, Absätze, Listen, Tabellen, Grafikreferenzen oder Formulare definieren. Aber man
kann weder genau angeben, wie diese Elemente genau aussehen und wie genau sie positioniert werden sollen, noch
kann man angeben, wie sich diese Elemente etwa durch Anwenderereignisse wie Mausaktionen verändern können.
Genau das sind aber Probleme, mit denen viele aktive Anwender, die selbst Web-Seiten erstellen wollen, zu kämpfen
haben. Web-Seiten, die in kreativen Köpfen vor dem inneren Auge entstehen, bestehen nicht nur aus Strukturen,
sondern auch aus Farben und Formen, aus Elementen, die sich bewegen, und aus Dingen, die durch Interaktion mit
dem Anwender passieren. Solche Wünsche müssen auf die Dauer befriedigt werden, wenn HTML nicht wieder ins Abseits
der EDV-Geschichte geraten will.
Weiter auf der Klartext-Schiene
Bevor Technologien wie ActiveX oder auch Java-basierte Lösungen, die nur noch Programmierern zugänglich
sind, zum Standard für Web-Seiten werden, ist es besser, Sprachen ähnlich wie HTML zu entwickeln, die kein Geheimnis
aus ihrem Quelltext machen und gerade durch die &quoutAbguckmöglichkeit&quout zur weltweiten Know-How-Verbreitung beitragen.
Denn nur durch die Verbreitung des Know-Hows sind unabhängige Sprachen wie HTML die heute einzige ernstzunehmende
Alternative zu firmenspezifischen Lösungen von Großkonzernen wie Microsoft.
Mittlerweile zeichnen sich entsprechende Lösungen auch ab. Wichtig ist jetzt nur, daß sie auch zum Einsatz kommen.
Die physische Ergänzung
Diese Ergänzung zu HTML ist mittlerweile etabliert und standardisiert: mit Hilfe der CSS Style-Sheets können Sie
HTML-Elementen sagen, wie diese genau auszusehen haben. Der Ergänzungseffekt, den die CSS-Sprache leistet, kann gar
nicht unterschätzt werden: erst dadurch wird HTML &quouterwachsen&quout und befreit sich aus dem permanenten Gestaltungsnotstand, den es unter Web-Designern lange Zeit verursachte. Erst durch die CSS Style-Sheets kann HTML ernsthaft mit herkömmlichen Textverarbeitungs- und DTP-Formaten konkurrieren.
Die dynamische Ergänzung
Die Ehre der Erfindung einer Programmiersprache, die sich direkt in HTML einbinden läßt und es erlaubt, Web-Seiten
zu kontrollieren und während der Anzeige zu verändern, gebührt Netscape. Mit der Version 2.0 des Netscape-Browsers
kam JavaScript auf den Markt. Leider hat es Netscape jedoch versäumt, die Sprache frühzeitig auf alle Elemente einer
HTML-Datei anwendbar zu machen. Genau das aber ist der einzige Sinn und Zweck einer solchen Sprache. Mittlerweile
ist dies erkannt worden. Noch gibt es viele Probleme mit dem Erstellen echter dynamischer Web-Seiten, doch es
zeichnet sich ab, daß es auch dafür bald einen Standard geben wird.
Parallelen
Wenn Sie Hegel kennen oder den Trinitätsgedanken der christlichen Lehre verinnerlicht haben, werden Sie
feststellen, daß es Parallelen zu dem Dreigestirn aus HTML, CSS und Scriptsprachen gibt. Falls Sie sich
nicht trauen, diese Parallelen anzuerkennen, dann trauen Sie sich doch einfach mal! Das ist keine Abwertung
abendländischer Werte, sondern eine moderne Form, sich mit Archetypen des Denkens auseinanderzusetzen. Denn
was zur Zeit in der ganzen Hektik rund um künftige Standards des Web-Publishings passiert, läßt sich durchaus
mit &quoutalten Gedanken&quout in Verbindung bringen. Das, was wir uns vorstellen, was dann noch fehlt und was wir uns
schließlich als das Perfekte wünschen, folgt nun mal immer den gleichen Grundmustern.
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Publizieren
Kommerzielles Publizieren in neuen Medien
Viele Firmen, die einen professionellen "Auftritt" im World Wide Web brauchen, wenden sich erst mal an
Werbeagenturen, weil sie das schon immer so gemacht haben, wenn es um Firmenpräsentation ging. Nichts gegen
Werbeagenturen - aber die verstehen meistens das neue Medium WWW nicht. Perfekte Grafik, auch das nötige
Know-How in HTML und Ergänzungssprachen ist zwar meistens vorhanden. Aber was fehlt, ist eine Beratung, welche
Inhalte für das WWW geeignet sind, und wie man die Seiten sinnvollerweise strukturieren könnte. Kein Wunder,
denn das sind Aufgaben, die nicht in das Metier der Werbegrafiker gehören.
"Web-Design" - der Oberbegriff für das Publizieren im WWW, umfaßt Layout-Design einerseits, aber auch
Content-Design, Navigations-Design, Hypertext-Design und Applikations-Design. Für eine private Homepage reicht
es aus, was der Ersteller kann und für gut und richtig befindet. Aber wenn man sich das Chaos auf den Web-Seiten
mancher Firmen ansieht, kann man nur mit dem Kopf schütteln. Da arbeiten häufig einzelne Abteilungen gegeneinander,
setzen unterschiedliche Mitarbeiter oder Agenturen für die Seitenerstellung ein und haben nur das Ziel, sich
selber zu profilieren. Der Dumme ist der Anwender, der diese Hintergründe nicht kennt und sich einfach sich
auf einem solchen Server zurechtfinden und gezielt nach Informationen suchen will.
Das Problem liegt auch darin, daß viele Dienstleistungsanbieter nicht bereit sind zuzugeben, daß Sie nur
einen Teil des Spektrums abdecken können. Hier müssen alle Beteiligten ehrlicher sein. Und Firmen, die große,
umfangreiche Web-Projekte anbieten wollen, tun gut daran, sogenannte "Development Partnerships" ins Leben zu
rufen, also koordiniertes Einsetzen von Know-How-Trägern aus den verschiedenen Bereichen, die es unter einen
Hut zu bringen gilt: Redakteure, Grafiker, Programmierer.
Leben und leben lassen
Als Einzelkämpfer hat man es mittlerweile schwer, sich als Rundum-Anbieter im Bereich Web-Publishing erfolgreich
zu verkaufen. Denn eine Einzelperson kann kaum noch genug Know-How und Zeitkapazität aufbringen, um lukrative
Web-Projekte im Alleingang auf die Beine zu stellen. Es ist zwar kein Problem, als "Freelancer" im Bereich des
Web-Publishings zu arbeiten. Doch als Einzelperson sollte man weniger versuchen, direkt an Aufträge von "großen"
Auftraggebern heranzukommen, die Web-Seiten brauchen, sondern eher, als Sub-Unternehmer für Agenturen zu arbeiten,
die solche Aufträge in der Regel erhalten.
Wer selbst eine Agentur für Web-Design gründen will, braucht überdurchschnittliche Mitarbeiter. Die bekommt er
einerseits nur, wenn er gute Aufträge an Land zieht, so daß er die Mitarbeiter angemessen zahlen kann. Andererseits
muß er bedenken, daß in diesem jungen Marktsegment Individualisten dominieren. Mit althergebrachten
unternehmerischen Für-Dumm-Verkaufungsstrategien ist hier nichts mehr zu holen. Wer in diesem Bereich
als Arbeitnehmer anheuert, ist selten ein Gewerkschaftsmitglied, aber dafür jemand mit eigenen Ideen
und eigenem Kopf. Und das ist für althergebrachtes Unternehmerdenken viel gefährlicher als die üblichen
Forderungen der Gewerkschaften.
Kurzum: das neue Medium fördert auch neue Formen von Arbeitsverhältnissen. Springen Sie einfach mal über
Ihren Schatten - sei es aus arbeitgeberischer oder aus arbeitnehmerischer Sicht. Verkriechen Sie sich nicht
mehr hinter Positionen. Arbeiten Sie als Arbeitnehmer auch mal umsonst, und schenken Sie als Unternehmer
denen, die so etwas tun, auch mal ungewöhnliche Freiheiten. Leben und leben lassen. Neues Medium, neue
Hoffnungen. Sie können das alles für Spinnerei halten, aber unterschätzen Sie nicht, wie viel Erstaunliches
sich in diesem Marktsegement tut, das in keine der Kategorien paßt, von denen die Tretmühlen der Massenmedien
immer wieder berichten.
Erfolg und Mißerfolg
Nicht wenige junge Menschen saugen Dokumentationen wie diese hier in sich hinein, natürlich nur das, was sie
gerade brauchen, basteln ein paar Wochen lang wild an Ihrer Homepage herum und versuchen anschließend sofort,
als Web-Designer, oder, viel schlimmer noch, als Provider ihre Dienste anzupreisen. Dann schreiben sie
verzweifelte bis wichtigtuerische E-Mails an den Autor dieser Dokumentation mit Fragen von der Sorte, wie
man in HTML einen Paßwortschutz programmiert oder in Java einen Firewall einrichtet. Nein, so funktioniert
das nicht, so ist Mißerfolg vorprogrammiert.
Bevor Sie nicht alle grundsätzlichen Zusammenhänge verstanden haben, nicht zwischen Client und Server,
zwischen den Aufgaben von HTML, JavaScript, Java, Server-Typen und Server-Schnittstellen wie CGI unterscheiden
können, hat es keinen Sinn, eigene Dienste anzupreisen. Erfolg stellt sich dann ein, wenn Sie bestimmte
Bereiche wirklich beherrschen und dadurch in Vorbesprechungen zu Aufträgen auch kompetente Aussagen machen
können. Dazu gehören auch mal Aussagen wie "geht so nicht" oder "geht, kann ich Ihnen aber nicht anbieten".
Um solche Aussagen machen zu können, müssen Sie natürlich erst mal wissen, was Sie tatsächlich anbieten
können und was nicht, und mit welchen Mitteln Kundenwünsche überhaupt realisierbar sind. Solches Know-How
erreichen Sie nicht in zwei Wochen. Lassen Sie sich da nicht von schnellen Lernerfolgen in HTML täuschen.
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